Antrag: Langfristige Strategien und verlässliche Unterstützung für Niedersachsens Wälder - Zukunftsfeste Strukturen in Zeiten des Klimawandels
Fraktion der SPD
Fraktion Bündnis 90/Die Grünen
Der Landtag wolle beschließen:
Entschließung
Mit rund 1,2 Millionen Hektar Waldfläche gehört Niedersachsen zu den waldreichen Bundesländern. Dabei ist die Eigentümerstruktur stark vom Privatwald geprägt, der mit etwa 693 000 Hektar rund 60 % der gesamten Waldfläche umfasst. In Niedersachsen gibt es über 60 000 Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer, wobei ein erheblicher Anteil über sehr kleine Waldflächen verfügt. Viele dieser Flächen werden im Nebenerwerb bewirtschaftet, weshalb Beratung, Betreuung und organisatorische Unterstützung eine zentrale Rolle spielen. Die Wälder in Niedersachsen sind immer häufiger extremen Wetterlagen und neuen Schadorganismen ausgesetzt. Dies führt zu massiven Waldschäden, wie sie in den vergangenen Jahren etwa durch Borkenkäferbefall oder Sturmereignisse sichtbar geworden sind. Die auch daraus resultierende Notwendigkeit eines beschleunigten Waldumbaus hin zu klimaresilienten Mischwäldern erfordert langfristige Strategien und verlässliche Unterstützungsstrukturen für Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer.
Forstwirtschaftliche Zusammenschlüsse wie Forstbetriebsgemeinschaften oder Forstwirtschaftliche Vereinigungen leisten einen wichtigen Beitrag zur Bewältigung dieser Herausforderungen. Sie ermöglichen Kooperation, Beratung sowie gemeinsame Organisation der Holzvermarktung und unterstützen Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer bei der Umsetzung des klimaresilienten Waldumbaus.
Gleichzeitig zeigt sich, dass viele dieser Zusammenschlüsse bereits heute professionelle Strukturen entwickelt haben. Weitere Maßnahmen zur Unterstützung sollten deshalb zielgerichtet an bestehenden Instrumenten ansetzen, vorhandene Fördermöglichkeiten nutzen und zugleich die Eigeninitiative der Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer respektieren.
Vor diesem Hintergrund stellt der Landtag fest:
- Die nachhaltige Entwicklung der Wälder ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und erfordert eine enge Zusammenarbeit von Waldbesitzenden, Forstwirtschaft, Umwelt- und Naturschutzverbänden, Wissenschaft, Verwaltung und Politik.
- Der Privatwald ist ein zentraler Bestandteil der niedersächsischen Waldlandschaft und ein wichtiger Partner für eine nachhaltige, multifunktionale Forstwirtschaft.
- Forstwirtschaftliche Zusammenschlüsse sind ein wesentlicher Baustein zur Überwindung struktureller Nachteile im Kleinprivatwald.
- Maßnahmen zur weiteren Professionalisierung der Managementstrukturen in niedersächsischen Privatwäldern müssen praxisnah, wirtschaftlich tragfähig und von den Waldbesitzerinnen und Waldbesitzern akzeptiert sein.
Der Landtag bittet die Landesregierung,
- den klimaresilienten Waldumbau in Niedersachsen entlang der Ziele des Niedersächsischen Wegs weiter zu unterstützen, insbesondere durch Förderprogramme für standortangepasste Mischwälder und klimaresiliente Baumarten auf Grundlage eines Gesamtkonzepts sowie zur Ergreifung von Maßnahmen zur Stabilisierung geschädigter Waldflächen,
- die Beratungs- und Unterstützungsangebote für Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer weiter auszubauen, insbesondere für den Kleinprivatwald, unter Einbeziehung der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, der Niedersächsischen Landesforsten und weiterer fachlicher Institutionen,
- den Dialog zwischen Wissenschaft, Praxis, Naturschutz und Forstwirtschaft weiter zu fördern, um gemeinsame Strategien zur Sicherung der Waldfunktionen zu entwickeln,
- die Bedeutung der forstwirtschaftlichen Zusammenschlüsse weiterhin zu stärken und deren Rolle bei der nachhaltigen Bewirtschaftung sowie beim klimaresilienten Waldumbau des Privatwaldes anzuerkennen und zu unterstützen,
- sich auf Bundesebene weiterhin für gute Rahmenbedingungen für forstwirtschaftliche Zusammenschlüsse einzusetzen, insbesondere im Hinblick auf mögliche Erweiterungen von Handlungsspielräumen für Forstwirtschaftliche Vereinigungen, soweit hierfür auf Bundesebene Initiativen entstehen,
- die bestehenden Förderinstrumente der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ (GAK) weiterhin bestmöglich zu nutzen, um die überbetriebliche Zusammenarbeit im Privatwald zu unterstützen,
- im Rahmen der Überarbeitung der Richtlinie zur Förderung forstwirtschaftlicher Zusammenschlüsse zu prüfen, inwieweit zusätzliche Fördertatbestände in Niedersachsen eingeführt werden können,
- die vorhandenen Möglichkeiten zur Verbesserung der Bewirtschaftungsstrukturen im Privatwald konsequent zu nutzen, insbesondere durch die Unterstützung von Waldflurbereinigungsverfahren, um zersplitterte Besitzstrukturen zu ordnen und die Bewirtschaftung zu erleichtern,
- die Professionalisierung der forstwirtschaftlichen Zusammenschlüsse im Rahmen von GAK-Fördermaßnahmen zu unterstützen,
- Forschung und Praxisprojekte zur Anpassung der Wälder an den Klimawandel weiter zu unterstützen, insbesondere zu klimaresilienten Baumarten (z.B. Erhöhung des Laubwaldanteils), Mischwaldbewirtschaftung, Waldschutz sowie nachhaltigen Bewirtschaftungsstrategien,
- den Wissenstransfer zwischen bereits professionell aufgestellten Zusammenschlüssen und weiteren Initiativen zu stärken, damit erfolgreiche Organisations- und Managementmodelle breiter genutzt werden können.
Begründung
Die Wälder in Niedersachsen stehen angesichts des Klimawandels vor einer historischen Herausforderung. Trockenheit, Stürme und Schädlingsbefall haben in den vergangenen Jahren zu erheblichen Schäden geführt. Gleichzeitig sind Wälder unverzichtbar für Klimaschutz, Biodiversität, Rohstoffversorgung und Lebensqualität.
Der Waldumbau hin zu klimaresilienten Mischwäldern ist eine zentrale Aufgabe der kommenden Jahrzehnte. Gerade im kleinstrukturierten Privatwald kommt kooperativen Organisationsformen dabei eine besondere Bedeutung zu. Forstbetriebsgemeinschaften und Forstwirtschaftliche Vereinigungen leisten bereits heute einen wichtigen Beitrag zur Bündelung von Bewirtschaftung, Beratung und Vermarktung.
Zugleich zeigt sich, dass viele der vorgeschlagenen Instrumente wie etwa Pachtmodelle oder neue Entgeltstrukturen stark von lokalen Rahmenbedingungen abhängen und in der Praxis bislang nur eine geringe Rolle spielen. Eine einheitliche Steuerung solcher Modelle für ganz Niedersachsen ist daher nur begrenzt zielführend.
Stattdessen sollten bestehende Instrumente konsequent genutzt und weiterentwickelt werden. Dazu gehören insbesondere die Fördermöglichkeiten im Rahmen der GAK, die Unterstützung von Waldflurbereinigungen sowie Maßnahmen zur Stärkung der organisatorischen und personellen Kapazitäten forstwirtschaftlicher Zusammenschlüsse.
Eine nachhaltige Waldpolitik muss ökologische Stabilität, wirtschaftliche Perspektiven und soziale Verantwortung gleichermaßen berücksichtigen. Nur so können Niedersachsens Wälder auch künftig ihre vielfältigen Funktionen für Natur, Wirtschaft und Gesellschaft erfüllen.